Du bist Schuld! Nein, Du bist Schuld! Und der arme Facebook News Feed?

Not Guilty

Dumm, dümmer, Facebook News Feed. Die Qualität im News Feed fehlt und wir bekommen immer mehr Beiträge auf (oder sogar noch unter) Bildzeitungsniveau präsentiert. Wer ist Schuld? Stimmt es überhaupt? Welche Rolle spielt ihr selber?

Mike Hudack von Facebook geht Ezra Klein von Vox.com an und schreibt, dass Nachrichtenseiten keine qualitativ hochwertigen Nachrichten mehr produzieren. Ezra Klein kontert und sagt, dass Facebook diese Nachrichten nicht auf die gleiche Art und Weise, wie Klickvieh News verbreitet. Beide haben irgendwie recht, aber die Nutzer kommen mir bei den Äußerungen etwas zu kurz.

Auf Facebook läuft es doch wie im „echten Leben“ ab. Ja, mal wieder. Seichte und lustige Inhalte werden einfach häufiger konsumiert und somit auch öfter geteilt. Welche Videos werden viral? Videos mit Informationen und einer langen Laufzeit, oder kurze Videos mit Ziegen die über Zäune springen?

Das Bestreben hochwertige und umfangreiche Nachrichten auf die gleiche Art und Weise wie Buzzfeed Artikel zu verbreiten funktioniert doch nicht. Mich stören politsische Diskussionen auf Facebook genauso wie der Tausendste Buzzfeed Share. Ein Punkt von Mike Hudock ist zu 1.000 % richtig. Nachrichtenseiten versuchen Buzzfeed und Co. zu kopieren. Das Ergebnis können keine informativen Artikel sein und diese Art von Artikeln erfüllt auch nicht die Erwartungen. Was ist denn bitte aus Focus Online geworden? Der Traffic wächst und das Niveau sinkt. Na herzlichen Glückwunsch. Aber das liegt doch nicht an Facebook. Das liegt an dem Druck möglichst viele Visits un Klicks zu erzielen und an wie die Artikel aufgebaut sind. Content der leicht verständlich und schnell zu konsumieren ist, wird öfter geteilt. Freunde sehen das, konsumieren den Inhalt ebenfalls leicht und schnell und so kommt die Facebook Maschinerie in Schwung. Es gibt sehr guten Content. Mehr denn je, aber je umfangreicher und tiefgründiger die Inhalte sind, um so schwerer verbreiten sie sich auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken. Angenommen ich teile ein Video. Laufzeit 45 Sekunden. Solche Videos gucken sich doch wesentlich mehr Leute an, als ein noch besseres Video mit einer Laufzeit von 5 Minuten. Gleiches gilt für Artikel mit 500 Wörtern und im Vergleich Artikel mit 3.000 Wörtern. Je länger und ausführlicher Content ist, um so eher steigen wir aus und verbreiten den Inhalt auch nicht weiter. Aber das liegt doch nicht an Facebook.

Ich kenne das selber von Artikeln die auch Futurebiz veröffentliche. Häufig funktioniert eine wiederverwertete Infografik besser, als ein eigener Beitrag in den viel mehr Arbeit und Zeit investiert wurde. Ich höre doch aber um Gotteswillen nicht auf ausführlichere Beiträge zu schreiben. Die Situation ist natürlich eine andere, da wir bei Futurebiz nicht diesen Druck verspüren, unbedingt Klickzahl XY zu erreichen, wie es bei Nachrichten seiten der Fall ist.

Die Aufgabe von jedem der Content erstellt liegt doch darin, entweder eine Mischung zu bieten, ausführliche Inhalte vs. leicht zu konsumierende Inhalte, ohne dabei jegliche Form von Qualität zu vergessen. Ich rege mich regelmäßig über bescheuerte Facebook Posts auf und kurz danach like ich dann Beiträge von College Humor und Cats & Dogs. Warum? Weil ich entweder nicht die Zeit habe ausführliche Artikel zu lesen, oder von Seiten Inhalte präsentiert bekomme, von denen ich etwas anderes erwarte.

Was man nie machen sollte, ist Leser/Fans mit Headlines hinters licht zu führen. Ein Beispiel von der NZZ. „Facebook hört Nutzer“ ab ist die Headline und dann folgt ein Einleitungssatz, der einfach nicht stimmt. Wer sich aber nicht intensiv mit Facebook und anderen sozialen Netzwerken beschäftigt, zumindest nicht beruflich, der merkt das nicht und wird mit einer reißerischen Headline gelockt. Inhaltlich wird nicht viel geboten. Der Artikel ist weder richtig, noch ausführlich und schon überhaupt nicht lesenswert, aber wahrscheinlich hat er jede Menge Klicks eingefahren. Aber das liegt doch nicht an Facebook. Und an Twitter. Und an Google+.

Inhalte werden nicht für Google geschrieben, aber man muss bestimmte Regeln beachten. Gleiches gilt für Facebook. Ihr schreibt Beiträge nicht für den Facebook Algorithmus, müsst aber daran denken, wie sich Inhalte verbreiten und wie sie aufbereitet sein müssen. Einen hervorragenden zehn Seiten Artikel liest man eben nicht mal schnell auf der Arbeit, aber ein kurzes Video schaut man sich an. Ich packe mir auch regelmäßig Artikel in meinen Keeeb Account und speicher sie bei Feedly. Wenn sie aber nichts speziell mit meiner Arbeit zu tun haben, lese ich davon maximal 10 %. Ich vermute mal, dass es bei euch ähnlich aussieht. Vielleicht gehe ich aber eine Woche später, oder einen Monat später, nochmals zu meinen gespeicherten Artikel, weil aus irgendeinem Grund wieder an das Thema und den Beitrag denke. Bei Buzzfeed Content ist das nicht der Fall und bei Klickvieh Artikel mit Sicherheit auch nicht. Nur weil ein Beitrag auf Facebook nicht sofort durch die Decke geht, ist dieser nicht gut und erfolgreich.

Wir können sicher einiges von Buzzfeed lernen, müssen die Erkenntnisse aber übertragen und sollten nicht versuchen, einfach genau das gleiche zu machen. Passiert trotzdem.

Ich glaube nicht das Facebook zur reinen Nachrichtenplattform werden kann und muss. Hochwertige Artikel werden sich auch im News Feed verbreiten. Das tun sie jetzt schon. Aber nicht in dem Umfang wie bei Buzzfeed, Upworthy, Heftig und wie sie alle noch heißen.

Aber das liegt doch nicht an Facebook.

Bildquelle Flickr – Fotograf Ged Caroll

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